Saison 2016 – Zahlen, Fakten und Gedanken

Ich möchte ein paar Zeilen zu „meiner“ Trailrunning-Saison 2016 in Worte fassen. Ein paar Gedanken zum Laufen generell bleiben da natürlich nicht aus. Zu den Themen  „Höher, schneller, weiter„, „Trailrunning“ und „Ultratrail“ muss ich natürlich auch meinen Senf dazu geben, vor allem weil immer wieder Stimmen laut werden und darüber schimpfen :-P.

Zuerst zu den Zahlen …

Die sind für die meisten Datensammler wichtig. Dabei geht es erstmal weniger um Höhenmeter, mehr um die Distanz in Training und Wettkampf. Ich selbst habe erst nach der Saison 2015 entdeckt dass die Ultraläufe über die DUV aufgefangen werden, und man sie hier einsehen kann. Statistiken rein für Trails aller Längen und mit internationaler Ausrichtung findet man über die International Trailrunning Association (I-TRA). Dort gibt es auch einen sogenannten Performance Index der die Läufe und das eigene Resultat anhand bestimmter Kriterien bewertet. Dabei geht es auch um Qualifikationen für kommende Läufe etc.. So etwas sollte man natürlich niemals überbewerten, doch um seine eigene ungefähre Leistung bei einem kommenden Wettkampf abzuchecken kann es durchaus hilfreich sein, andere ähnlich erfahrene und performende Läufer zu sichten. Ist der Läufer XY ähnliche Läufe wie ich gelaufen und hat nen ähnlichen Index, so könnte es sein dass ich bei einem bestimmten in der Zukunft liegenden Lauf ein ähnliches Ergebnis erzielen kann. Je mehr Läufer ich in einen Vergleich ziehe, desto höher könnte die Trefferquote sein. Viele wenn und aber, aber so als ganz groben Anhaltspunkt ist es meines Erachtens okay.

Screenshot der DUV-Statistik (http://statistik.d-u-v.org/getresultperson.php?runner=677074)

Kam ich also 2015 auf 360 Wettkampfkilometer bei knapp 2500 Laufkilometern insgesamt, so sind es 2016 circa 690 Wettkampfkilometer bei weniger als 3000km (jetzt ist November – 2800-2900 werden es so maximal werden).

Screenshot der DUV-Statistik (http://statistik.d-u-v.org/getresultperson.php?runner=677074)

… dann zu den Fakten und weniger Zahlen …

Ich bin somit bei ungefähr gleichem Trainingsaufwand mehr und längere Wettkämpfe gelaufen. Für Nichtläufer klingt das enorm, aber 2015 waren das im Schnitt ~45km die Woche … was etwa 5h entspricht. Frühjahr/Sommer etwas mehr, Herbst und Winter etwas weniger. 2016 waren es somit ~50km / Woche. Da die meisten längeren Trainingsläufe und Wettkämpfe sowieso am Wochenende stattfinden sind das 2-3 Stunden unter der Woche und der Rest am Wochenende. Vielleicht klingt das für viele gar nicht mehr sooo abschreckend wenn man überlegt wie viel Zeit man selbst in Fitnessstudios, beim Shoppen oder gar in Kneipen verbringt.

Ich will hier nur die Verhältnisse aufzeigen weil viele immer denken man sei nur am Laufen. Das ist weniger Zeit als viele am am PC beim Zocken verbraten oder sinnlos vorm TV verplempern. Und es ist gesund. Und überhaupt 😀 !!! Klar ist es irgendwo ne Sucht … aber nicht schlimmer und weit weniger zeitintensiv als andere Süchte wie Spielen, Rauchen, Trinken, Drogen, Kaufen…

Zahlen sind so verrückt … 10 Zigaretten am Tag … bei 5 Minuten pro Zigarette … sind 50 Min ungesund verplemperte Zeit 😉 … da bin ich auch schon 10 km durch den Wald gestolpert 😛

… und den abschließenden Gedanken …

Was die Saison 2016 und die Zahlen für mich bedeuten? Wenn ich 2017 beim Training so viel Spaß wie 2016 haben will, darf und muss ich nicht mehr laufen. Dann kann die Sache mit den Wettkämpfen auch so weiter gehen. Macht nämlich Spaß.

Viele Läufer empören sich über den Begriff „Trailläufer„, es sei das gleiche was sie schon immer machten als sie über Wald und Wiesen liefen. Das stimmt zum Teil. Aber heute sind die Schuhe geiler 😀 … und früher hat man gefaxt, heute gemailt, damals gabs SMS und heute gibts Whatsapp. Alles irgendwie gleich oder ähnlich, und doch gibts kleine Unterschiede. Das sind nicht nur Schuhe und Ausrüstung, sondern mehr die Einstellung. Trail bedeutet Pfad und umschreibt meist Läufe über Wanderwege und Co.. Klar werden von den heutigen Trailläufern Waldwege („Waldautobahnen“) weniger „gern“ gesehen als coole Single-Trails. Und die Leute mögen keine Asphaltabschnitte. Geht mir auch so. Ich hab meist wenig gedämpfte und gut profilierte Trailschuhe an und mag damit nicht auf Strassen laufen und mir die Stollen abwetzen. Ist halt meine Sache. So wie andere nur bei Sonnenschein laufen. Aber das als Trend abzutun und negativ aufzufassen ist schlichtweg falsch. Das ist wie mit den Smartphones die immer größer und schneller und besser wurden, so sprießen auch grade die Veranstaltungen aus dem Boden. Und dies ist kein Trend, sondern für viele ist es einfach geiler chillig und oft einsam auf Pfaden zu laufen als sich auf Radwegen entlang zu quälen. Und es ist wie es immer in der Geschichte war, am Anfang wurden die Leute belächelt und es wurde als Trend abgetan, und später hat sich Großes daraus entwickelt.

Angebot und Nachfrage. Leben und leben lassen. Es ist doch schön dass es nicht nur einigen wenigen vorbehalten bleibt sich an einem 100 Meilen Lauf zu versuchen. Jeder darf sich entfalten und auch alpin versuchen. Ich hab schon oft Läufer getroffen die sich gnadenlos überschätzt haben. Das gibts aber immer und überall, da muss man nur mal DSDS einschalten 🙂 … Natürlich muss man auf Eigenverantwortung und eine gesunde Selbsteinschätzung vertrauen – jedoch sollte man diese Freiheiten den Leuten selbst überlassen. Ich weiß dass ich son UTMB laufen kann. Warum soll ich es dann nicht tun? Wenns mir Spaß macht.

Und wenn sich auch die Dimensionen verschieben und eine 60km Distanz für mich ein Trainingslauf sein kann, ich hab für mich entdeckt dass ich auf langen Läufen stärker bin und ich mich auf kurzen und schnellen Strecken mehr quälen muss. Und wenn das so ist, dann ist es doch eine logische Konsequenz lange Wettkämpfe zu bestreiten, wo ich noch mehr zu sehen bekomme und mehr mitnehme.

Und immer diese Gespräche mit den DNF-Quoten. Für mich ist es auch absolut logisch dass es in unserer Szene immer ne Ausfallquote von ~30% gibt. Das ist so bei so langen Läufen weil man die nicht eben so nebenbei abspult. Und das Wetter spielt ne Rolle und und und …

Ich finde es gut wie die Szene sich entwickelt. Ich lerne immer wieder bewundernswerte Menschen kennen. Es entwickeln sich Freundschaften. Ob einer da 30, 60 oder 100km läuft, das ist egal. Jeder muss für sich seine Distanz und seinen Weg finden. Und wenn sie zu schnell zu viel wollen, dann fallen sie eben auf die Fresse. Lasst sie doch. Gestehen wir ihnen eine Lernfähigkeit zu. Früher oder später werden auch sie ihren Weg finden. Oder Ihren Pfad. Oder Trail. 😉

Mit meiner Saison 2016 bin ich vollends zufrieden. Der Petit Ballon war bei bestem Winterwetter (Schnee und Sonnenschein) ein toller Start. Den KUT optimiert trotz Handbremse fast ne Stunde schneller gelaufen. Beim Eiger das Wetter und die Landschaft genossen un mit 18:22h zufrieden ins Ziel gekommen. Beim Alpen X gefinished und viele Erfahrungen gesammelt. Den Hartfüssler und den Sonut bei heißen Sommertemperaturen als Trainingsläufe für den 112km langen UTML genutzt. Den UTML als 5ter mit einer für mich brachial guten Zeit (112km mit knapp 2600HM) von 13 Stunden und 5 Minuten beendet. Und nun zum Schluss den Saarschleifetrail mit gut 61km in der Heimat noch richtig genossen. Wie es sich gehört, mit Sonnenschein.

>>> Also „höher, schneller, weiter“ – hier bin ich – bereit für neue Abenteuer in 2017.

Das wars dann erst einmal mit den Gedanken, die Planung für 2017 ist noch längere Zeit im Gange, jetzt schaut euch mal diese tolle Reportage übers Laufen an:

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