Südtirol Ultra Skyrace [SUSR] | Die Hufeisentour

Südtirol Ultra Skyrace [SUSR] | Hufeisentour

27/28/29 Juli 2018 – 121 km, 7554 Höhenmeter, 40 Stunden Zeitlimit.

Das sind die Eckdaten des Skyrace in Bozen. Da hat der Lavaredo mit 120 km und 5.800 Höhenmetern mit 30 Stunden etwas weniger Luft. Schaut man sich aber die Siegerzeit vom Skyrace von 2018 mit 18:33 Std [2017: 18:33 Std] an und vergleicht diese mit denen vom Lavaredo [2017: 12:33Std, 2018: 12:16 Std], dann sieht man schnell, dass dieser Lauf doch etwas schwieriger zu sein scheint.

Gut, dass mir das schon vorher klar war 😀 … alpines Ultralaufen ist eben kein Zuckerschlecken, da muss man leiden können. Man muss das Leiden mögen oder gar lieben. Da ich das zur Genüge, zuletzt noch mit Eric zusammen beim Trail Verbier St. Bernard geübt habe, erschien es mir durchaus realistisch, angeschlagen an den Start zu gehen. Leider habe ich mir knapp eine Woche zuvor, beim Boxen (freundschaftlicher Ellenbogenhieb in die Rippen), eine Rippenprellung zugezogen. Auch wenn die tiefen Atemzüge am Anfang etwas schmerzten, so ist das noch lange kein Grund so eine Party in Bozen abzusagen. Manchmal ist es auch ganz gut unter Schmerzen zu laufen :-D.

Die Organisation

Die Ausgabe der Startnummern war in einem Sportler-Store, die Pastaparty inkl. Briefing im Kolpinghaus, Start und Abgabe des Dropbags und der Zieltasche im Startbereich. Das bedeutete viel Hektik und Bewegung, da man doch immer ein Stück gehen musste und es stets Engpässe gab. Meine obligatorische Start-Pizza fiel dadurch flach, ebenso wie das kalte Monster und wie der Speed-Schnurres. Letzteres hatte mehr mit Konsequenzen der weiblichen Seite zu tun 😀 …

Der Start

Pünktlich um 20:00 Uhr fiel der Startschuss. Heiß war es unten in Bozen. Aber auf den nächten ca. 20 km mit 2.000 Metern bergan, versprach es kühler zu werden. Oder heißer, je nach Tempo. Kaum waren die ersten 10 km im Sack, fing es zu regnen an. Echt jetzt? Hatte der Typ (:-)) nicht beim Briefing versprochen es gäbe keinen Regen? Kopf hoch, gleich vorbei, Wärmegewitter eben. Bämmm, gute 5 Stunden hat es herabgeprasselt.

Der mit dem Wolf tanzt | läuft …

Und so kam es nach dieser Nacht auch, dass mein alter Freund, der einsame Wolf sich zu mir gesellte und mir den Lauf versüßte.

Das Penser Joch, erste Hälfte des Skyrace

Weiter ging die Geschichte, die erste Nacht war schnell vorbei, ich hab mich an Jernej drangehängt, der ist sehr souverän über die anspruchsvollen Trails gehuscht, da konnte man einige Plätze gut machen. Bergan und auf den ersten Kilometern bin ich erfahrungsgemäß leicht zu überholen 😀 … die Maschine braucht immer etwas Zeit, bis sie rollt. Bis zum Penser Joch bei ca. Kilometer 60 hatte ich knapp 12 Stunden gebraucht. Mehr als die Hälfte der Höhenmeter hatte ich somit absolviert, so dass eine Zeit um die 24 Stunden rein rechnerisch möglich war. Dafür sprach auch, dass ich hinten raus eigentlich ganz gut bin und eben die zweite Hälfte in der Regel nicht langsamer gelaufen wird. Die Sonne und die Hitze machten mir aber Sorgen und eben dies sollte sich noch bewahrheiten.

Rein technisch war die erste Hälfte wesentlich leichter zu laufen als die Zweite. Wesentlich! Ich hab zwischendurch echt gedacht „Ist das alles?“ …

Und dann kam die Sonne. Und die alpinen Steigungen, Steinwüsten, Geröll, verblockte Wege. Tatsächlich machte das mir Spaß. Und der Morgen und die Sonne fluteten den Körper mit neuer Energie. In knapp 12 Minuten hab ich mich am VP umgezogen, Nudeln gegessen, rote Beete Saft inhaliert und war wieder bereit für die Piste. Es dauerte eine Weile bis ich neue, würdige Pacemaker fand. 2 Locals, Bozener, die den Weg ins Tal ballerten und keine Rücksicht auf Verluste (mich) nahmen. Eine Zeit lang konnte ich am Ball bleiben, schnell fand ich das aber zu anstrengend und verabschiedete mich. Ich kühlte mich kurz in eiskaltem Bergwasser ab und trottete weiter. 1.000 bergab, 1.000 bergan. Und siehe da, mit meinem Power-Walking bergauf kamen die 2 Kameraden wieder in Sichtweite, so dass ich auch wieder Gesellschaft hatte. Über Stock und Stein kämpfte ich mich bis zur Hirzer Hütte. Und vorbei. Einen Pfeil übersehen und schon war ich wieder am Berg. Da war doch was!? … Hinter mir Läufer, die vor mir sein sollten. Seltsam. Nach einem kurzen Lagecheck merkte ich, dass ich nochmal knapp 1,5 km zurück und bergab musste, um am VP zu tanken und einzuchecken. Das wäre ihr Preis gewesen 😀 … ich hab also 2 alkoholfreie „Biers“ gekippt und bin wieder los. Nun nicht zu viel Zeit verlieren, den halben Berg hatte ich schon vergebens bestiegen.

Der Hirzer (2.781m)

Der Aufstieg zum Hirzer war nicht arg höhenmeterlastig, dafür aber technisch „interessant“. Klettern und Kraxeln war angesagt. Und das in sengender Hitze. Oben angekommen, ging es gefühlt kilometerweit auf einem 10 cm breiten Pfad, links oder rechts oder beides abschüssig nach unten. Da wurde mir schon etwas mulmig und im Kriechmodus ging es weiter. Das war das Terrain der Locals. Die sind dort geflitzt. Unglaublich. Ich hatte, glaube ich, -1,5 km/h auf dem Tacho. Irgendwann, nach einer gefühlten Stunde, wurde es wieder laufbar. Verblockt, technisch, steinig, aber für „Bekloppte“ laufbar. Und dann tat ich so, bekloppt, Vollgas … Ziel Meraner Hütte. Ab da sollten es nur noch knapp 20 km mit gut 2.000 Metern bergab sein.

Die Meraner Hütte

Bis hierher hatte sich das Skyrace seinen Namen nun endlich redlich verdient. Ich trank schnell noch 2 Gläser Suppe, bevor es weiter ging. Nach 300 gelaufen Metern sah ich die nächste Steigung. Sollte es nicht nur noch bergab gehen? Hey!!! Wo sind meine Stöcke? …

Zurück zur Hütte. Den Weg kannte ich ja. Ja, es waren nur 300m. Aber irgendwann ist jeder Meter zu viel 😀 …

Warum macht man sowas nur? Eine Tour die als 7-Tage Wanderung ausgeschrieben ist (ohne die 20km mit 2.000 m + von Bozen und 20 km mit 2.000 – nach Bozen ^^)

Ich lief mich allmählich wieder in Rage. Hoch, runter, hoch, hoch, höher. Also für „nur bergab“ waren die 450 Meter + dann doch bissle viel des Guten. [Glaube keinem Local :-D] … Egal, es war halbwegs laufbar. Bei Kilometer 100 kurz durch die Kuhherde und ne SMS versenden um zu kommunizieren, dass ich gleich da bin. Handy wegstecken, 1 Sekunde nicht auf den Weg achten, Bäääm. Knie, Oberschenkel, Ellenbogen, einmal lang gestreckt. Ich wusste gar nicht, was passiert war. Knie tat weh, aber die Stöcke waren ganz.

Hier die Souvenirs nach einer Woche Regeneration:

Auf gehts. Adrenalin. Wut. Vollgas. Nun wollte ich es wissen. Ständig überholte ich Leute. 120er, 69er, alles was kam. Kilometer 110. Wieder bergab, kurz auf den Arsch gesetzt und nochmal aufs linke Knie gerollt, sollte ja symmetrisch bluten. Ich bin bis 5 km vorm Ziel noch auf einen 120er aufgelaufen (Italiener), der war aber den Asphalt (5 km mit gut 1.000 m bergab) so stark, dass ich (und meine müden Oberschenkel) ihn ziehen ließen.

Im Nachhinein hätte ich mich besser etwas bemüht, dann hätte ich mir die 5 Minuten Umweg 500 Meter vorm Ziel gespart. Aber egal. Da war das Ziel, nah und greifbar.

Das Ziel

Nach knapp 124(!) km und gut 7.500 Höhenmeter, nach 25 Stunden und 25 Minuten, da war ich im Ziel. Im Hellen. Dankbar, erleichtert, glücklich. Dachte ich doch zwischenzeitlich es würde wesentlich länger Dauern. Mittags schien die Zeit vor 00:00 Uhr (28 Stunden Laufzeit) schon fast undenkbar. Aber es war geschafft, das Skyrace in die Knie gezwungen. Ein unglaubliches Gefühl! Unbezahlbar, unvergesslich, ULTRA!

Danke fürs Lesen!