UTMB – Ultra Trail du Mont Blanc 2018

UTMB – Ultra Trail du Mont Blanc

Der Mythos, der Traum eines jeden Trailrunners?

Nein, eigentlich ist das ganze etwas komplizierter. Ich fang mal vorne an … aber nicht mit diesem Bewerbungs- und Punkteprozedere. Das kennt man ja.

Ich bin 2016 den Alpen X 100 gelaufen.  Weil ich einen 100-Meiler laufen wollte. Und weil es für den großen UTMB nicht gereicht hat, weil eben nicht genug Punkte da waren, konnte es dieser eben nicht sein. Und vom UTMB hört und liest man doch so viel. Die crème de la crème steht dort jedes Jahr an der Startlinie, die Stimmung ist wie bei der Tour de France. Ja, die Franzosen wissen wie man feiert.

Nach dem Lospech 2017 sollte es nun 2018 der UTMB sein. Ich habe mir zum Training / Aufbau einige Ultraläufe ausgesucht, die dem UTMB technisch und läuferisch meilenweit voraus sind, darunter der Scenic Trail, der Trail VSB (Verbier St.Bernard X-Alpine) und das Südtirol Ultra Skyrace. Beim Scenic bin ich nach 65km, aufgrund eines Sturzes bei km 8, ausgestiegen. Beim VSB bin ich locker und mehr oder weniger „genießend“ durch, in Bozen habe ich schon etwas mehr Gas gegeben. Die Läufe sind schon der Hammer und grade Bozen und Verbier waren traumhaft schwer und traumhaft schön zugleich.

Da war der UTMB irgendwie nur noch eine nachgeschobene „Pflichterfüllung“. Ich bin selten so nüchtern und lustlos an einen Start gegangen. Von Aufregung keine Spur. Höchstens Aufregung über die Orga, denn wenn man kurz vor Start erfährt, dass nach der Entwarnung zuvor nun doch das Schlecht-Wetter-Kit als Pflichtequipment mit auf die Reise muss, das ist dann schon echt ärgerlich.

Regenjacke, Regenhose, Hose lang, 2 Warme Shirts / Schichten, 2 Lampen + je Ersatzakkus, Handschuhe + wasserdichte Putzhandschuhe, Mütze, Buff, Brille für Schlechtwetter, Verband, Essen, 1 Liter Trinken, Handy und und und …

Mein Rucksack war schon nach den ersten 4 Artikeln voll. Kontrolle hier, Kontrolle da. Nerv. Eigentlich wollte ich laufen … aber diese Bürokratie bei diesem Riesenevent, klar, ein Muss, aber das ist nicht meine Schublade.

Roland, Selma und Eric am Start des UTMB.

Und schon steht man da, am Start, im Regen. Noch zwei Stunden bis es los geht. Die Trasse füllt sich. Spannung? Nö. Im Regen loslaufen is Bäh. Briefing? Nicht wirklich. Die labern und labern. Aber über die Strecke wurde recht wenig gesagt. Merken die nicht, dass es regnet? Kurz vor Start kommt dann auch die Elite in den Startblock. Natürlich ganz vorne. So kann man die ja nie überholen ^^ …

Beim Start steigt dann selbst bei mir Stimmung. Es sind, trotz Regen, sehr viele Menschen vor Ort um dieses Spektakel zu feiern. Generell auf der Strecke gibt es viele Zuschauer und überall wird man angefeuert und gefeiert. Das habe ich tatsächlich noch nie so erlebt. Der Zieleinlauf mitten in der Nacht war dann doch leider wieder trostlos … entweder hätte ich viel schneller oder viel langsamer sein müssen …

Ich schreibe nun nicht viel über die Berge und die Steigungen. Es war ein stetes auf und ab und gut 10.000 HM sind in den Bergen nun wirklich kein Zuckerschlecken, selbst wenn die Strecke recht „einfach“ ist.

 

Nur ein paar Eindrücke: Das Rennen ist schnell, rasend schnell … und wenn man viel LAUFEN möchte, dann ist man hier richtig. Das Rennen ist recht „einfach“, denn es geht viel über Asphalt, viel über breite Forstwege und Schotterpisten. Es sind verhältnismäßig wenige Single Trails oder Alpinsteige. Einfach ist nicht das richtige Wort, immerhin sind mehr als 10.000 Höhenmeter zu bezwingen.

Logisch, da müssen ja auch über 2.500 Leute drüber. Also weniger Staus als erwartet, dafür aber auch weniger fürs Auge. Nebel und Wolken taten da den Rest. Leider war es trostlos, also das Wetter. Leider blieb, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, die Aussicht verwehrt. Ganz kurz war ich euphorisch und bin im T-Shirt gelaufen. Genau 600 Meter bergauf, danach musste die Jacke wieder ran.

Die Nächte waren kalt und windig. Ein leichter Nieselregen oder Nieselnebel behinderte die Sicht. Die Wurzeln waren glitschig. Manche Stellen waren sehr rutschig und matschig. Bis ca. KM 110 bin ich gut durchgekommen. Da traf ich dann wieder auf Eric, der mit seinem Knie haderte. Wir beschlossen ein Stückchen zusammen zu laufen und zu schauen wie das so wird. Bei mir klappten die nächsten Kilometer ganz gut, auch wenn der Regen und die Kälte und die Downhills meine Oberschenkel schon mürbe gemacht hatten. Bergab war es eine Qual, bergauf ging es recht fix. Am nächsten VP angekommen, beschloss Eric sich eine Auszeit zu nehmen und ne Runde zu schlafen. Ich wollte einfach nur ankommen und duschen, also kämpfte ich alleine weiter. Es wurde schwerer und schwerer. Ich war fit, aber bei jedem Flug ins Tal blockierten und schmerzten meine Oberschenkel mehr. Ich hatte knapp 130km auf der Uhr. Noch 40 bis zum Ziel … ein Marathon mit fast 3000 Höhenmetern.

Zieleinlauf
Die letzten Meter bis ins Ziel. Keine blutigen Knie!!!

Mir war klar, dass ich ins Ziel kommen würde. Nur keine Dummheiten machen und stürzen, locker bergab traben und wandern, dann sollte alles noch gut in der Zeit machbar sein. Ursprünglich dachte ich mir, dass eine Zeit zwischen 32 und 36 Stunden realistisch sei, je nach Umständen. Als ich im Rennen war, ja da war theoretisch sogar irgendwas um die 30 Stunden möglich. Aber das Wandern machte den Schnitt kaputt und so wurden es zu guter Letzt 33:25. Es war schon mental hart sich kurz vor Ende überholen zu lassen, erfahrungsgemäß bin ich es, der hinten heraus Tempo macht und Leute überholt. Das sollte diesmal nicht so sein. Aber die Zeit war absolut okay für diese Umstände. Dafür, dass ich nie richtig in den „Flow“ kam, dafür dass ich mit einer solchen Unlust am Start stand, dafür war ich dann doch sehr glücklich gesund und munter und in einer guten Zeit im Ziel zu stehen.

Ich verstehe diesen Hype „UTMB“. Man muss es einfach fühlen. Mit der Elite am Start zu stehen. Die tosende Menge. Der Applaus. Es ist beeindruckend Teil davon zu sein. Es zu spüren. Dort zu stehen, wo einst die Legenden standen.

Aber ich liebe auch diese Läufe wo man stundenlang alleine auf Single Trails unterwegs ist, ohne dass man jemanden im Rücken oder vor sich hat. Ich liebe diese kleinen Läufe, die ein so ein familiäres Gefühl vermitteln. Wo man auch danach zusammen sitzt und ein Bier trinkt. Das kam leider alles zu kurz. Vielleicht versuche ich mich ein anderes Mal beim TDS oder gar beim PTL … wer weiß. Irgendwie Spass gemacht hat es trotzdem. Der Mythos UTMB ist abgehakt … auf zu neuen Abenteuern.

Vielen Dank an alle Mitfieberer, Daumendrücker und Unterstützer. Danke Selma für die warmen Worte und die Energy Drinks … und dafür, dass du mir nach dem Lauf die Schuhe ausgezogen hast … sonst hätte ich sie wohl noch zwei Tage angelassen … 😀 … Danke an alle Läufer auf der Strecke, die mir die Zeiten verkürzt haben. Danke da oben, dass das so läuft!