Grossglockner Ultra-Trail – GGUT2017

Grossglockner Ultra-Trail (#GGUT2017)

Ein Highlight im Trail-Kalender 2017 ist auf jeden Fall der Großglockner Ultra-Trail 2017. Auf den ersten Blick scheinen die 110km mit 6500HM nicht arg besonders aus. Nicht mehr oder weniger als andere alpine Ultra-Trail-Veranstaltungen. Betrachtet man aber die Laufstatistiken der letzten Jahre, so kommt man schnell zu Schluss dass der Lauf hart sein muss. Liest man dann noch Rennberichte und Blogs teils sehr erfahrener und guter Läufer, so bestätigt sich der Satz:

Das ist ein Brett!

Übersetzt bedeutet das, dass der Lauf kein Zuckerschlecken ist und alles von dir abverlangt. Das kann ich so unterschreiben. Ich würde jedem ans Herz legen erst einmal ein paar andere „leichtere“ Hunderter in den Bergen zu laufen, bevor man sich dem Abenteuer Grossglockner stellt.

Insider wissen dass jeder Lauf in den Bergen anders schwer und anspruchsvoll ist und das selbst der gleiche Lauf jedes Jahr anders zu bewerten ist. War zum Beispiel 2016 bei meinem alpinen 100er Debut der Eiger eine gute Wahl, so war es wegen der Schneeverhältnisse (Anstieg Faulhorn, Abstieg Faulhorn über kilometerlange Schneepisten und Schmelzwasser) trotzdem kein leichter Lauf. 2017 waren Top-Bedingungen. Sowas schlägt sich auch immer an den Zeiten nieder. 11 Stunden für den Sieger ist wirklich stark! Beim Grossglockner waren es da schon 15 Stunden für den Gewinner 2016 und 2017, trotz nur 10km mehr und sogar 200HM weniger 😉 … was also macht den Lauf so schwer?

GGUT2017 – Höhenprofil by https://www.ultratrail.at/

Der Anfang war „normal“ … aus dem Tal raus, kleiner Anstieg von ca 500HM, dann ein schneller laufbarer Downhill (für mich nach wenigen Kilometern zu früh, ich war noch nicht warm) … dann durch viele Wiesen und Tonnen von  Kuhscheiße zum ersten Anstieg.

Der Aufstieg zur Pfandelscharte:

Nur nicht zurück blicken!

Über 1300 Meter Anstieg gesamt, die letzten drei oder gar vierhundert Höhenmeter durch ein gefrorenes Schneefeld. Eiskalter Wind. Ein Schritt vor, 3 zurück – ohne Stöcke kaum zu schaffen. Das war unglaublich kräftezehrend. Oben angekommen, noch mehr Wind. In die Windjacke schlüpfen, keine Zeit verlieren, nicht auskühlen, direkt weiter und im Takt arbeiten. Technisch anspruchsvoller Abstieg zum Glocknerhaus. Dort treffe ich auf den starken Paul, der beide Knie blutig und sich beim Downhill übel zugerichtet hat. Der steckt das aber weg. Tier eben 😉 … Nach Cola und Kaffee(!)-Gels gings dann zügig weiter, an einem Stausee vorbei zur Salmhütte. Auf dem Weg, Regen und Wind. Die Kombination auf über 2000m über NN ist pervers. Windjacke aus, Regenjacke an. Laufen, Hände eiskalt. Schneller laufen damit es warm wird. 

Der Aufstieg zur Pfortscharte:

Nochmals geht es hart bergan. Nach einem kurzen Stop in der Salmhütte gehts hoch zur Pfortscharte. Ein fieser Ritt, der bei Wind und Regen nur bedingt Spaß macht. Normalerweise mach ich bergauf gerne Druck und lass dann bergab laufen … so dass die Beine wieder locker werden. Der Abstieg war aber mal Kacke. Geröll, viele Steine, rutschig, kaum laufbar. Bis zum Lucknerhaus hats also auch seine Zeit gebraucht. Von dort waren es wieder 300m hoch, bevor es nach KALS ging. Bei Kilometer 62 standen frische Schuhe, Klamotten und eine große Labstation zur Verfügung. Des Downhill war aber auch nicht ohne. Mal wieder. Kleine enge Kurven im Wald, rutschig, matschig, mit schweren Beinen eine Tortur. So hab ich bis Kals gut und gerne 11 Stunden gebraucht. für 62 KM mit 4500 Metern im Aufstieg. Theoretisch war also eine Gesamtzeit von unter 20 Stunden für mich möglich. 

2nd Half: Kals => Kaprun:

Mit frischen Schuhen und teils in trockenen Tüchern ging es auf die 2te Hälfte. 48km und 2000HM to go. Klingt easy, isses aber nicht. Verpflegung war wichtig, Tanks aufgefüllt, aber mit vollem Bauch rollt es sich schwer an. Der Weg zur Klamm war beschwerlich, auch wenn viel flach war. Nach und nach verteilte sich das Essen aber wohl in meinem Körper (Käsespätzle und Tomatensauce, 1/2ltr Rote Beete Saft, 1/2ltr RedBull & 1/2ltr Iso) … da ist man grade bereit Tempo zu machen, da komm wieder eine schwer laufbare Steinwüste. Schritt für Schritt ein Abenteuer, vorbei an einem wunderschönen blauen See, hinauf zum Kalser Tauern. 1000 Meter Höhe galt es zu überwinden bevor es wieder hart hinunter ging. Da denkst du doch tatsächlich die zweite Hälfte wäre weniger schwer, dafür war der Mist aber umso technischer. Bis zum Berghotel Rudolfshütte war es wieder eine Tortur. Dort schnell eine Suppe getrunken und weiter zum letzten großen Anstieg.

Kapruner Törl:

Da ging tatsächlich der Weg runter!

Das Gute nach einem schweren Anstieg ist der Abstieg. Denkste. Ein schwerer Abstieg ist ja noch bescheidener als ein schwerer Aufstieg. 25km bergab. Mit glühenden Beinen. Was ein Spaß. Nicht dass der Abstieg ab dem „Törl“ schwer war, es waren nur riesige Felsen über welche man sich einen Weg bahnen musste, nein, danach kamen von der Sonne angetaute Schneefelder, die es zu bestreiten galt. Von den vorangegangenen 110er- und 50er-Läufern waren Loipen ins Eis gefräst. Mehr auf dem Hintern als auf den Beinen ging es für mich hinab. Hinab durch zahllose Bäche die zu Flüssen wurden, durch den vielen Regen oder die schmelzenden Schneepassagen. Meine Füsse waren stets nass. Es war eine Mutprobe auch für meine Schuhe. Da ich keine Blasen habe, nicht fies stürzte und meine Füße sich gut anfühlen, denke ich dass die Roclite 290 auf der ersten und die Roclite 305 auf der 2ten Hälfte eine gute Wahl waren.

Sub 20 Ade:

Links dem Seil folgend in die Höhle rein, hinter dem Wasserfall vorbei, rechts wieder raus!

Das Risiko für einen Sturz war mir zu hoch, ich bin beim Lavaredo mit einem blauen Auge davon gekommen, da riskiere ich für ein paar Minuten mehr oder weniger nichts mehr. Für die Bedingungen hätte mein Lauf aber auch nicht viel besser laufen können. Da ich vercheckt hab (andere allerdings auch), dass man ab 16:00 Uhr durch die Tunnel laufen kann, und nicht auf spektakulären Trails an der Felswand entlang klimmen muss, hab ich auch noch ein paar Minütchen verloren, hat aber trotzdem Spaß gemacht :-D. Letztendlich wollte ich nur noch ins Ziel, und zwar im hellen, was mit beim Zieleinlauf um 19:40 Uhr mit 20 Stunden und 40 Minuten ganz gut gelang. Sub 20 war eh eine verrückte Idee für diesen Lauf … unter 22 hab ich mir schon gewünscht … und heile ankommen 😀

Die vermeintlich leichtere Hälfte mit 48km und 2000HM war viel anspruchsvoller vom Laufen her, so dass ich leider nicht so schnell war wie geplant. Es waren schon noch einige Körner über, die ich nicht verschießen konnte 🙂 … trotzdem geil wenn man endlich im Ziel ankommt!

Was ein Brett!

Ich danke den Hartfüsslern, die mich mit auf die Reise nahmen, bzw. der ganzen Gruppe (Jenny, Ina, Melanie, Burkhart, Lukas, Hendrik, Horst & Ralph), mit denen ich in Kaprun verweilte. Es war schön mit euch! Es war mir eine Ehre.

Es war toll alte/neue Bekannte und „Buddies on Trail“ wie Matthias, Paul, Timo & Carmen, Stefan, und Christoph zu treffen 😉 … auch wenn man sich vor, während und nach dem Rennen teils nur kurz gesehen hat. An alle Finisher ein großes Lob, an alle die abbrechen mussten  auch wegen des Wetters) –  Kopf hoch, Sicherheit geht vor! Bei Nacht und Gewitter auf der Strecke, das wünsch ich niemandem.

Und hier noch ein paar Fotos von Hendrik Dörr, die auch erahnen lassen dass es nicht immer einfach war!

5 Comments

  1. Pingback: Vorbereitung auf das Inferno :: #linfernal200 - EisernerHans.com

  2. Pingback: Testbericht Inov-8 Roclite 290 - EisernerHans.com

  3. Pingback: Inov-8 Roclite 290 & 305 - Review - EisernerHans.com

  4. Pingback: Testbericht Inov-8 Roclite 305 - EisernerHans.com

  5. Pingback: L'INFERNAL Trail des Vosges - ein Inferno!!! - EisernerHans.com

Kommentar verfassen