Inov-8 Roclite 290 & 305 – Review

Die Roclite 290 und 305 im Dauereinsatz.

Die meisten Schuhtests erzählen über die ersten Pfade, Wege und Eindrücke, die man mit dem Schuh gemacht hat. Aber was sagen diese wenigen Meter und Stunden über einen Schuh aus?

Viel nützlicher ist da das Wissen, was sich erst nach vielen und vor allem langen Läufen ergibt. Erst wenn man Stunden in den Schuhen verbracht hat, echte Wettkämpfe unter extremen Bedingungen damit gelaufen ist, erst dann „kennt“ man sein Schuhwerk.

Und da es nicht eintönig für die Latschen werden soll gibt es unterschiedlichstes Terrain und Witterungsbedingungen. Kalt, warm, Eis,  Schnee, Regen, Geröll, Felsen, Wald, Wiesen usw.

Hier erst einmal der Lebenslauf der „Brüder“:

Roclite 305 – (328k, 14.279hm):

28km – 970HM :: trocken, sandig, felsig, steinig => im Pfälfzer Wald wurde alles geboten

19km – 700HM :: nass, felsig, steinig, Asphalt => Seitensprung Saar-Riesling-Steig

13km – 550HM :: steil, felsig, steinig, trocken => Extratour Mehringer-Schweiz

10km – 351HM :: kleine Haus-Runde im Weißhauswald

16km – 512HM :: Morscheider Grenzpfad

25km – 595HM :: SV Olewiger Panoramalauf

12km – 376HM :: Nighttrail Weißhauswald

86km – 3600HM :: Trails und Offtrail => Keufelskopt Ultra Trail 2017

16km – 1295HM :: Dolomiten Bergtraining

55km – 4500HM :: Sanctuary 50km

48km – 2000HM :: 2nd half GGUT 110

Roclite 290 (285k, 13.519hm):

15km – 765HM :: trocken, sandig, felsig, steinig => im Pfälfzer Wald wurde alles geboten, und das auf „nur“ 15km

55km – 1400HM :: Schnee, Schmelzwasser, Asphalt, Singletrails, Gras, Matsch, Felsen, Steine … es gab einfach ALLES! => Erbeskopf, Dollberg und Co.!

20km – 629HM :: trocken, gemütlicher Lauf über Stock und Stein => Hausrunde Weißhauswald Trier

13km – 425HM :: feucht, Regen und Sonne => Traumschleife Römer-Kelten-Pfad

120km – 5800HM :: heiss, trocken, Fluss, nass, steinig, schroff => Lavaredo Ultra Trail 

62km – 4500HM :: 1th half GGUT 110

Zwischenstand:

So bin ich seit Februar mit beiden Schuhen so einiges gelaufen, und das nicht nur im Training, sondern auch hauptsächlich im Wettkampf. Und nicht nur bei Sonne, sondern auch bei Schnee und Regen und in unsäglicher Hitze. Über Schnee, Eisfelder, Gletscher, Gebirgsbäche, Steinwüsten und und und …

Der teilweise schwer und steife Eindruck der Kandidaten hatte sich zu Beginn grade bei „kurzen“ Distanzen etwas festgesetzt. Aber die wahren Werte kamen erst bei den langen und anspruchsvollen Strecken zum Vorschein.

So hat sich der Roclite 305 beim Keufelskopf excellent geschlagen. Ich wählte diesen „schwereren“ Schuh, um mich mehr zu fordern. Die Dämpfung und der Grip auf der gesamten Strecke über Wurzeln, Beton, Steine, rutschige Passagen, querfeldein, Wiesen, Wälder … brilliant. Dadurch dass der Schuh etwas breiter ist hat er nirgends gedrückt. Nicht die kleinste Blase hatte ich am Fuß. Man könnte die Schnürung etwas verbessern, und auch der Sitz oder die Anatomie der dünne Zunge oben, die zwar nicht stört, aber mehr halt bieten könnte. Auch eine Verstaumöglichkeit für die Senkel wäre prima. Das gilt für beide Modelle!

Beim 290er war ich so mutig, ihn auf die kompletten 120km vorm Lavaredo loszulassen. Was soll ich sagen? Ging gut. Da brauch ich über das Streckenprofil und den Untergrund nicht viele Worte verlieren, es war einfach anspruchsvoll. Und die Angst umzuknicken war stets vorhanden. Aber dem war nicht so – gut, ich bin gestürzt, aber das geht sicher nicht auf den Schuh 😀 … Selbst nach 100km schroffstem Gelände war die Dämpfung noch da und ich konnte selbst auf den letzten Kilometern ins Ziel über den Asphalt Vollgas geben. Keine Blase, nix wund, keine Beschwerden am Fuss, obwohl ich 3 mal nasse Füsse hatte (Wasserquerung etc.). Das ist ein Wort, das sagt etwas über den Schuh aus: Sie wurden schnell trocken und waren zu keiner Zeit unangenehm.

Die Protektion (ich hab zahllose Steine weggekickt, ich bin so oft an Wurzeln getreten) hat mich nicht im Stich gelassen. Es war einfach toll mit den Schuhen zu laufen. Und sie sehen immer noch gut aus. Ich hatte Schuhe anderer namhafter Hersteller, die sahen nach kurzer Zeit schlimmer aus.

Der Abrieb an der Sohle hält sich in Grenzen. Der 290er hat beim Lavaredo und den schwarfkantigen Steinen etwas mehr Federn gelassen, aber absolut im Rahmen.

Mein Fazit:

Mit einer Nasenlänge ist der Roclite 290 vorne. Nicht einmal wegen der Sprengung (die gar nicht so arg ins Gewicht fällt) … oder dem minimalen Gewichtsvorteil, nein, es ist irgendwie das Gesamtpaket des Schuhs … der gar nicht so wie ein Ultratrail-Monster wirkt, aber doch so viel kann.  Er ist einen „Tick“ agiler, eine Nuance wendiger. Und das macht ihn klasse. Ich hatte immer mal die Füße weh nach mehr als 100km … aber nach dem Lavaredo, nichts, einfach nichts.

 

Ich bin gespannt wie die Schuhe Ende des Jahres ausschauen 😉 …

 

 

Kommentar verfassen